koerpererfahrung_blind_klettern im therapeutischen-kletternBlind Klettern als Übung im Therapeutischen Klettern.
Warum?

 

In meiner Ausbildung zum Trainer C „Klettern für Menschen mit Behinderung“

Haben wir versucht verschiedene Handicaps nachzustellen um uns besser in die Problematiken der Klienten einzufühlen und um besser zu verstehen wie die Situation beim Klettern aus deren Sicht ist

Bei der Aufgabe Blind Klettern ist mir persönlich aufgefallen, dass ich meine Umgebung und vor allem meinen eigenen Körper dabei viel intensiver wahrnehme, was mich dazu gebracht hat diese Übung auch immer wieder im Therapeutischen Klettern einzusetzen.

Therapeutisches Klettern mit Schlafbrille

Immer wenn ich meine Klienten - in diesem Beispiel Mädels 50+, die mir eigentlich blind vertrauen 😉 - auffordere jetzt auch mal die ganze Strecke mit verbundenen Augen zu klettern sehe ich viele Fragezeichen in den Gesichtern und höre sofort „..das ist ein Witz oder?“ „wie soll das gehen?“

Nun ja technisch ist das ganz einfach mit einer Schlafbrille, einem Tuch oder einfach nur die Augen geschlossen zu halten machbar.

Die Anwendung selbst fordert Vertrauen und gute Unterstützung.

 

Beim Therapeutischen Klettern bewegen sich meine Klienten meist im Boulder-Modus und die Aufgabe ist in diesem Fall einen Quergang zu klettern in niedriger Höhe, so dass ich sie gut spotten(sichern) und ihnen auch Hinweise geben kann wo vielleicht der nächste Griff oder Tritt zu finden ist.

Dabei ist viel Vertrauen bei den Teilnehmern gefordert.

Sie müssen sich voll darauf verlassen, dass sie sicher sind

Veränderung im Körperbewusstsein

Bei dieser Übung ist mir auch hier wieder aufgefallen, dass ganz anders geklettert wird.
Am Anfang waren die Bewegungen der Mädels etwas zögerlich, je nach Temperament. Nach einigen Zügen konnte man erkennen
• der Körperschwerpunkt ist in der Bewegung viel besser organisiert
• Die Füße werden anders eingesetzt und belastet.
• Es werden viel kleinere Tritte genutzt, die ihnen absolut zuverlässig erschienen, die sie aber sehend als viel zu klein ausgeschlossen hatten.
• Die Haltung ist anders

Am Ende der Strecke hatten alle ein Grinsen im Gesicht und fanden die Erfahrung sehr intensiv, toll, ganz anders als vorher gedacht und wollten am liebsten gleich nochmal so klettern.

Diese Reaktion ist keine Ausnahme und kann auch gut bei Erkrankungen wie MS, ADHS oder nach Verletzungen eingesetzt werden um Bewegungsabläufe und ihre Koordination zu verbessern

Durch das Ausschalten von gewohnten Sinneseindrücken wird auf andere sonst nicht genutzte Fähigkeiten umgestellt wodurch neue Vernetzungen stattfinden, die dann auch im normalen Leben wirksam sind

Fazit aus der Erfahrung im Therapeutischen Klettern

Blind Klettern?
Ja, unbedingt mal ausprobieren und herausfinden was sich dadurch körperlich und mental alles ändern kann..