therapeutisches klettern mit msTherapeutisches Klettern mit MS

Die Theorie

wie sie in einem Artikel der DMSG zu finden ist:

"Die Übungen aktivieren ein komplexes Bewegungsmuster, das abwechselnd statische und dynamische Muskelarbeit erfordert.
Das Klettern ist so vielseitig, dass jeder MS-Kranke mit seinen spezifischen Symptomen an der Kletterwand individuell gefördert werden kann. Das Klettern schult im Einzelnen folgende Fähigkeiten:
1.    Kraft (Kraftdefizit ist ein großes funktionelles Problem, auch hilft Kraftaufbau oft, Spastik zu reduzieren),
2.    Koordination (bessere Koordination hilft bei Ataxie),
3.    Ausdauer,
4.    Gleichgewicht.
Ein weiterer Aspekt spielt besonders für MS-Erkrankte eine Rolle. Motorische Fähigkeiten, die nicht genutzt werden, können verloren gehen. Wer zum Beispiel als MS-Kranker wenig geht, verliert diese Fähigkeit mehr und mehr, auch ohne dass die MS primär dafür verantwortlich ist. Und wer im Rollstuhl sitzt und seine Rumpfmuskeln nicht durch Gehen und Stehen trainiert, dessen Rumpfmuskulatur wird schwächer. Die Rumpfmuskulatur ist für das Gehen und für die Funktion der Arme enorm wichtig. Gesunde trainieren die Rumpfmuskulatur bei jedem Schritt. MS-Betroffene beim Gehen (auch auf dem Laufband) und auch speziell beim Klettern und bei der Hippotherapie".
*Artikel aus https://www.dmsg.de/multiple-sklerose-infos/ms-und-sport/klettern/trainingseffekte-beim-klettern/

 

Die Praxis

 

Die Freude und die leuchtenden Augen der Teilnehmer über Erfolge und Bewegungen, die sie sich nicht zugetraut haben.

 

Aber von Vornetherapeutisches klettern mit ms

4 Personen kommen in die Boulderhalle, wovon man Dreien auf den ersten Blick die Erkrankung MS oder irgendwelche Einschränkungen nicht ansieht, die Vierte benötigt einen Rollator zum Gehen.

Die Aufgaben, die sich mir hier stellen sind recht unterschiedlich, aber alle möchten klettern.
Wir arbeiten in geringer Höhe, machen Quergänge, und probieren aus was an der Boulderwand so möglich ist.
Für die Teilnehmerin mit Rollator ist alleine schon der weiche Untergrund der Bouldermatten eine Herausforderung und sie macht ihre Quergänge mit den Füssen am Boden.

Hier zeigen sich dann bei allen ein paar Schwächen, es gibt eine gute und eine schlechte Seite, der Fuß kann im Sprunggelenk nicht gut stabilisiert werden, der Fuß kann nicht richtig gezielt gesetzt werden, die Rumpfspannung könnte besser sein, Verspannungen im Schulter-/Nackenbereich, „eckige“ Bewegungen…

Im Laufe der Kurse haben die Teilnehmer alle ihren Bewegungsumfang verbessert und erweitert und viel Spaß beim Bouldern.
Aufgaben die unmöglich schienen sind jetzt eine Selbstverständlichkeit , ob es das freihändige stehen in der Wand ist, eine Stütztechnik, die viel Rumpfspannung erfordert, das bewußte Setzten der Füsse, oder das Erreichen von Griffen, die uuuuunmöglich weit weg sind.

Auch der Rollator rockt, er wird noch benötigt um von A nach B zu kommen, aber in der Boulderhalle hat er frei. Seine Besitzerin kommt inzwischen selbstständig in die Wand und macht auch hier ihre Quergänge auf Tritten in der Wand, und neulich hat sie mir ein Video gezeigt bei dem sie auf Skiern stand, das zeigt welche Auswirkungen das Training in anderen Bereichen hat - einfach super.

 

Ich bin den Kursteilnehmern von Herzen dankbar, weil sie mich fordern immer wieder neue Aufgaben für sie zu finden und weil sie mir zeigen was alles zu schaffen ist.

Vielen Dank, ich freue mich auf die nächsten Aufgaben mit euch.