Therapeutisches Klettern: Was ist das?
Hast du dich schon mal gefragt, warum ausgerechnet Klettern in der Therapie eingesetzt wird?
Klettern fordert den ganzen Körper, und den Kopf gleich mit. Jeder Griff ist eine kleine Entscheidung: Wohin mit der Hand, wohin mit dem Fuß, wie verlagere ich mein Gewicht? Genau das macht die Kletterwand zu einem guten Übungsraum.
Übersicht
- Klettern und Bouldern
- Was ist therapeutisches Klettern?
- Wie ich damit arbeite
- Warum die Wand anders ist als andere Trainings
- Was brauchst du?
- Wo findet das Klettern statt?
- Wie kannst du mitmachen?
Klettern und Bouldern
Beim Klettern bist du mit einem Seil gesichert und steigst einige Meter nach oben. Dafür brauchst du einen Gurt und jemanden, der dich sichert.
Beim Bouldern bleibst du in geringer Höhe, ohne Seil. Unter dir liegen weiche Matten. Eine besondere Ausrüstung brauchst du dafür nicht.
Beim therapeutischen Klettern nutzen wir beides. Mit Menschen mit MS arbeite ich vor allem in Bodennähe.
Was ist therapeutisches Klettern?
Therapeutisches Klettern ist eine Form der Bewegungstherapie. Klettern und Bouldern werden dabei gezielt zur Vorbeugung oder in der Rehabilitation eingesetzt. Die Kletterwand ist das Trainingsgerät.
Entstanden ist es aus zwei Richtungen, der Physiotherapie und der Psychotherapie. Je nach Richtung stehen etwas andere Ziele im Vordergrund. Die Physiotherapeutin und Sportwissenschaftlerin Claudia Kern beschreibt drei Ebenen, die beim therapeutischen Klettern angesprochen werden:
- Körperlich: Koordination, Kraft und Stabilität, Beweglichkeit, Gleichgewicht, Orientierung und Körperwahrnehmung.
- Psychisch: Konzentration, Motivation und das Erleben, etwas selbst geschafft zu haben.
- Sozial: Vertrauen und Absprache mit der Person, die dich sichert, und das Mitbestimmen, was an der Wand passiert.
Wie stark die einzelnen Ebenen zum Tragen kommen, hängt von deinem Ziel, deiner Tagesform und den Rahmenbedingungen ab. Ausgangspunkt ist immer die Bewegung.
Therapeutisches Klettern ersetzt keine ärztliche Behandlung oder Therapie. Es kann sie ergänzen. Sprich bitte vorher mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.
Wie ich damit arbeite
Meine Wurzeln liegen im Sport. Deshalb liegt mein Schwerpunkt auf der Bewegung und dem Körper. Seit fast zehn Jahren klettere ich vor allem mit Menschen mit MS.
Was dabei im Kopf passiert, ist mir trotzdem nicht egal. An der Wand wird viel gelacht, und viele erleben es als schön, etwas zu schaffen, das sie sich vorher nicht zugetraut hätten.
Warum die Wand anders ist als andere Trainings
Jede und jeder macht am liebsten das, was gut klappt. Wie oft habe ich schon gehört: „Ich mache doch immer meine Übungen, und trotzdem …“ Wer immer dasselbe macht, kommt irgendwann nicht mehr weiter.
Die Kletterwand bietet unendlich viele Möglichkeiten: unterschiedliche Neigungen, Griffe und Tritte in allen Formen und Größen. Damit kommst du fast spielerisch aus deinen gewohnten Abläufen heraus und nutzt Muskeln, die du lange nicht mehr oder vielleicht noch nie bewusst eingesetzt hast.
Und das Gute daran: Nicht ich sage dir, welchen Muskel du wie bewegen sollst. Du und dein Körper, ihr findet den Weg selbst.
Dazu kommt die Dreidimensionalität. An der Wand trainierst du nie nur einen Muskel in eine Richtung. Du setzt einzelne Bewegungen zu ganzen Abfolgen zusammen, wie in einer Kletterroute. Diese Abfolgen ähneln dem, was du im Alltag brauchst. Denn was nützt dir eine Übung, die im Training gut klappt, aber im Alltag nie vorkommt?
Was brauchst du?
- Keine Klettererfahrung. Du musst auch nicht sportlich sein.
- Bequeme Kleidung und Turnschuhe für die Halle.
- Etwas zu trinken.
- Die Kletterausrüstung kannst du ausleihen.
Wo findet das Klettern statt?
An künstlichen Kletterwänden in Kletter- und Boulderhallen. Dort lassen sich Griffe und Tritte ganz unterschiedlich an die Wand schrauben. So kann ich Größe und Abstand der Griffe auf dich und deine Möglichkeiten abstimmen. Zusätzlich nutzen wir Routen und Boulder, die schon an der Wand sind.
Du findest mich in der Kletterhalle Hersbruck und in der Boulderhalle E4 in Nürnberg.
Wie kannst du mitmachen?
Schreib mir über das Kontaktformular. Dann besprechen wir, was für dich passt.
Du hast MS? Dann findest du unter Klettern mit MS alles zu Ablauf und Sicherheit, unter Einzeltraining das Angebot nur für dich und unter Mitmachen die Gruppenkurse mit der DMSG.
Quelle: C. Kern (2025): Therapeutisches Klettern und Bouldern in der Physiotherapie und Ergotherapie.